latest Post

-589- Auf der Suche nach Hand in Hand

Nun erklär mich doch mir selbst, das ist immerhin so typisch Welt, für etwas Abstraktes eine logische Erklärung zu finden, für das Leben eine Schublade zu schaffen, in die man dann alles einordnet, in die man stopft und stopft, bis es einem aus dem Mund wieder rauskommt. Aber gut. Ich erkläre dich dir selbst.

Du willst das, was du nicht haben kannst, weil du in dem altbekannten Schmerz nach Heimat suchst. Dir hat das Leben die Augen aufgerissen, du rennst mit ausgekotztem Gelb im Blick herum, die Gier zerrt dir das eigene Denken aus dem Kopf. Beim Sprechen schaust du genau hin, du kannst nicht wegsehen, aber dein Blick geht immer in die falsche Richtung, hängt sich an Menschen auf, die nicht hinsehen können, die das Draußen abtasten, während du nach Hand in Hand suchst, nach etwas Neuem, nach einer Berührung, die dein Denken wieder in dich hineindrückt, es zusammenpresst und kompakt macht; du wünschst dir, das Leben wäre verdaulich.
Die Worte sammeln sich in deinem Mund an wie Kaffeesatz, du kaust auf ihnen herum und drehst sie herum und wieder herum, und wenn sie über die Lippen kommen, ist es plötzlich, als wäre die Farbe aus ihnen hinausgezerrt worden. Da ist kein Ton mehr in ihn, keine Klangfarbe, keine bunte Melodie; sie sind einfach da und tun dir selber weh. Irgendwie sagst du immer das Falsche zum falschen Zeitpunkt zur falschen Person. Jetzt fühlst du alles, fühlst alles, wie als hätte jemand den Filter entfernt, der Rauch steigt dir direkt in die Lunge, belegt deine Stimme, bis der Kopfschmerz einsetzt. Die Welt kann dir nicht erklären, warum du fühlst, wie du fühlst, sie nimmt dich nicht mal an die Hand. Aber! Du fühlst. Du fühlst wieder, du lebst, es geht dir nicht irgendwie, nicht halbgar, nicht okay, nicht mal so, mal so. Du fühlst - und es tut weh.

About Julia Mayer

Julia Mayer
Recommended Posts × +

0 SEKTSCHALE(N) MIT HIMBEEREN:

Kommentar veröffentlichen

Was sagst du dazu?