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-588- Nimm dir die Waffe aus der Hand


 Steh für deine Seele ein, die sich gegen dich anstrengt, die jeden Tag mit den Krallen kämpft, die Wunden in sie reißen wollen. Du strengst dich an, sie strengt sich gegen dich — an. Da gibt es nur Millimeterkämpfe, Kämpfe, die gar niemand sehen kann, die einfach nur in deinem Kopf stattfinden, in den fingerbreiten Galaxien, die unaussprechliche Namen tragen. Hör auf, dich zu verurteilen, hör auf, dies kontrollieren zu wollen. Was willst du sagen? Was? Schreib doch schneller, schreib endlich, bilde dir doch deinen Strom, bilde dir ein Eigenes, ein Zuhause, hör auf, darauf zu warten, dass sich jedes Wort ans andere reiht und perfekt dort stehen bleibt; nicht rühren! – lebe doch. Nicht alles muss von vorne bis hinten Sinn ergeben, nicht auf Anhieb.
Die Frage ist, wie du dir jemals verzeihen kannst, nicht perfekt zu sein. Wenn du dich nur hart genug anstrengst, wenn du dich nur konzentrierst, denkst du, dass jeder Fehler, den du jemals gemacht hast, wiedergutgemacht wird. Aber manchmal wirst du nicht das erreichen können, was du erreichen musst. Manchmal musst du sagen: Fuck it, heute ist eben ein Sparflammen-Tag, heute funktioniere ich nur auf 2% oder 4% oder manchmal auch nur .5% Manchmal dehnt sich der Tag aus und dann ist es ein verfickter Monat auf 2%, aber sieh: es ist nur ein Monat. Es ist nur vorübergehend, alles ist doch vergänglich, dein Denken ist nur Kompost.
Hauptsache, du verzeihst es dir, zu existieren. Verzeih es dir doch, gib dir Raum. Du bist nicht perfekt, wer das verlangt, ist es sowieso nicht, denn das ist doch schon der erste Fehler. Von anderen mehr zu verlangen, als sie tatsächlich geben können. Das ist nicht fair, aber es passiert jeden Tag. Niemand macht sich da Gedanken drüber, nicht, wenn sie am Ende derer stehen, die nur verlangen, die erwarten, die nichts anderes können, als anderen eine Frist an die Schläfe zu setzen wie die Mündung einer Waffe. Gib dich dem hin. Lass dich doch zerschießen, wozu sich wehren, wenn die Mündung sowieso schon dort sitzt. Sei pragmatisch. Du könntest es einfach geschehen lassen; du bist für niemanden verantwortlich, nur für dich selbst. Niemand kann dir einreden, nicht gut genug zu sein, außer, sie sitzen in deinem Kopf. Somit ist das, was du fürchtest, nur du selbst.
Verzeih dir, verzeih dir doch dafür. Nimm dir endlich die Waffe aus der Hand.

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Julia Mayer
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